Therapieerfahrung: Kater „Hüppi“

Mittwoch, 01.Februar 2017 um 9:23 Uhr, bisher keine Kommentare

In der ersten Januarwoche 2017 bekam ich einen Anruf von einer Dame, deren Kater in der Silvesternacht scheinbar angefahren würde. Glücklicherweise trug er weder Knochenbrüche noch großartige offene Wunden davon, sondern hatte sich wohl „nur“ einen Nerv in der Wirbelsäule verklemmt. Dieser Nerv war nun dadurch leider nahezu abgestorben, weshalb der Kater auf der rechten Körperseite komplett gelähmt war. Er konnte daher nicht laufen und kaum aufs Klo gehen, musste zum Napf und zur Toilette getragen werden – kein Zustand für einen Kater, besonders nicht für einen, der noch kaum 2 Jahre alt ist. Die Frage des Einschläferns stand natürlich groß im Raum.
Die Tierärztin wollte den Nerv gern operativ aus der Wirbelsäule befreien, da sie aber nicht wussten, wo genau der Nerv in der Wirbelsäule geklemmt war und außerdem keine Garantie bestand, dass das den Zustand verbessern würde, war das der Besitzerin zu unsicher und sie lehnte erst einmal ab. Daraufhin empfahl ihr die Tierärztin alternativ Tierphysiotherapie.

Dazu ein kurzer Ausflug in den Wissensteil:

Haut und Muskeln heilen im Körper relativ schnell nach einer Verletzung. Knochen brauchen schon bedeutend länger, heilen aber auch. Wenn Nerven hingegen komplett zerstört sind, gibt es keine Möglichkeit mehr, sie zu heilen. Kaputt heißt in diesem Falle wirklich kaputt. Deshalb konnte die Tierärztin der Besitzerin auch keine Erfolgsprognose für die OP geben, denn es hätte passieren können, dass sie den Nerv zwar befreien können, dieser aber so zerstört ist, dass er nicht wieder heilen wird. Dann hätte sich der Zustand des Katers durch die OP nicht verändert.
Wenn Nerven hingegen nicht vollkommen kaputt, sondern nur verletzt sind, heilen sie durchaus – es dauert nur sehr, sehr lange.

Zurück zum Fall:

Ich habe der Besitzerin zugestimmt, dass es unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Kater augenscheinlich keine Schmerzen hatte, nicht schaden konnte, es erst einmal mit Physiotherapie zu versuchen.
Ich ging mir den Kater also ansehen.

Das Tierchen lag im Wohnzimmer auf einer Decke und sah wirklich bemitleidenswert aus. Das rechte Vorderbein war vollkommen bewegungs- und nahezu gefühllos, das Hinterbein schien zwar empfindsamer zu sein, aber nicht viel beweglicher.
Hüppi war nun aber kein typischer Kater. Eine so liebe und kooperative Katze habe ich selten gesehen – er ließ sich überall anfassen, problemlos hin- und herwenden und erst nach einer Stunde Untersuchung und Behandlung begann er, mit leisen Tönen darauf aufmerksam zu machen, dass er jetzt gern bald wieder seine Ruhe hätte.
Das hat mir die Behandlung natürlich enorm erleichtert und so ist es dann gelungen, den Nerv durch sanftes Aufbiegen der Wirbelsäule zu befreien.
Lebenswillen hatte der kleine Kerl jedenfalls in sich, versuchte er doch mitten in der Behandlung mit den zwei funktionierenden Beinen über mein Bein zu springen, um zur Toilette zu kommen. Anschließend zog und schob er sich halb robbend auf den Futternapf zu, um zu fressen. Die Hilfe seiner Besitzer ließ er sich zwar gefallen, versuchte aber selbst in seinem erbärmlichen Zustand, so viel wie möglich selbständig zu machen.
Ich habe dann Besitzern Übungen mit auf den Weg gegeben, die sie täglich mit ihm machen sollten, bis ich das nächste Mal kam.

Eine Woche später ging ich wieder hin. Die Besitzer hatten die Übungen vorbildlich mehrmals täglich mit dem Kater gemacht und das zeigte seine Wirkung. Der Hinterlauf war wieder beweglich und der Kater belastete ihn auch, im Vorderlauf schien sich aber nicht viel getan zu haben. Die Tierärztin stellte daraufhin eine Amputation des Vorderbeins in den Raum, wenn sich an diesem Zustand nichts ändern sollte. Die Besitzer waren sich aber mit mir einig, dass man, bevor man an so etwas dachte, erstmal noch ein wenig abwarten wollte. Denn dadurch, dass sich das Hinterbein so verbessert hatte, ließ sich erkennen, dass der Nerv offenbar nicht komplett zerstört war. Da Nerven immer in die gleiche Richtung heilen, war es durchaus logisch, dass das Hinterbein zuerst wieder funktionierte. Als ich das nächste Mal da war, bewegte er das Vorderbein sogar schon wieder ein klein Wenig, nur in der Schulter, nur vor und zurück und nicht wirklich gezielt, aber immerhin. Ich habe ihm dann ein Tape angelegt, um die Pfote in die richtige Richtung zu ziehen, damit er richtig auftrat. Das hat zwar funktioniert, aber leider war er von dem Tape nicht wirklich begeistert und hat es sich immer wieder abgezogen – wir nahmen es mit Humor und sahen es als Zeichen, dass es ihm offenbar besser ging.

Ende Januar, als wir den nächsten Termin vereinbarten, erzählte mir die Besitzerin dann, dass Hüppi mittlerweile auch das Vorderbein gezielt aufsetzen und fast wieder richtig auftreten kann. Es ist noch ein ziemlicher „Krebsgang“ zu erkennen, aber er bewegt sich selbständig auf seinen vier Pfoten – ein Zustand, den die Besitzer noch vor einem Monat nicht wieder zu erhoffen wagten.
Nun werden wir also gemeinsam das letzte Kapitel: „Wieder den richtigen Gang erlernen“ angehen und dann hoffen, dass der Kater im Freigang demnächst vorsichtiger ist – an Silvester werden die Besitzer ihre Katzen jedenfalls in Zukunft nicht mehr raus lassen.

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