Wie kann ich mein alt werdendes Tier fit halten? Teil 1

Montag, 02.Mai 2016 um 9:11 Uhr, bisher keine Kommentare

Es ist ganz klar – das Alter kann man nicht aufhalten. Früher oder später werden unsere geliebten Vierbeiner älter werden, altersbedingte Probleme bekommen und eines Tages von uns gehen. Keine noch so gute Therapie kann daran etwas ändern.
Aber jeder Tierhalter kann dafür sorgen, dass sein Tier so lange wie möglich fit bleibt – auch mit steigendem Alter.

Ernährung

Die Gesundheit beginnt mit der Ernährung. Die optimale Ernährung für ein Tier ist in der Regel die, die auch ihre wild lebenden Artgenossen zu sich nehmen.
Der Verdauungstrakt von Katzen zum Beispiel ist mit dem ihrer großen Verwandten wie Tiger, Löwen etc. nahezu identisch.
Die Verdauung des Hundes ist trotz der langen Domestikationszeit der der Wölfe noch sehr ähnlich.
Und die Ernährung von Pferden sollte möglichst nah an der von Wildpferden, Steppenzebras etc. gehalten werden.
Das bedeutet im Einzelnen folgendes für die verschiedenen Tierarten:

Katzen

Lenny putzt Lui

Katzen waren ursprünglich einmal Wüstentiere. Das bedeutet, dass sie den größten Teil des Flüssigkeitshaushaltes naturgemäß über ihre Nahrung regulieren. Außerdem sind Katzen sogenannte obligate Carnivoren, also Tiere, die strikte Fleischfresser sind und pflanzliche Nahrung nur sehr schwer bis gar nicht verstoffwechseln können.
Daraus folgt, dass zwei Dinge im Katzenfutter unabdingbar wichtig sind: viel Feuchtigkeit und viel Fleisch.

Gehen wir nun mal die Zusammensetzung der Futtersorten durch, die gängigerweise im Supermarkt zu finden sind.

Die Hälfte fällt schon allein deshalb raus, weil es Trockenfutter ist. Damit ist Faktor 1: viel Flüssigkeit, schonmal nicht bedient.
Ich kenne die Argumente wie „aber meine Katze trinkt sehr viel“ und kann darauf nur immer die gleiche Antwort geben. Machen Sie den Selbstversuch und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Nehmen Sie einen EL Trockenfutter und füllen es in eine Schale. Geben Sie dann einen EL Wasser hinzu. Warten Sie, bis das Wasser komplett vom Trockenfutter aufgesaugt wurde und geben Sie einen weiteren EL Wasser hinzu. Wiederholen Sie das so lange, bis das Futter kein Wasser mehr aufsaugt. So viel müsste Ihre Katze pro EL Trockenfutter, den sie verzehrt, trinken, um den Flüssigkeitsverlust in ihrem Körper wettzumachen. Und dabei ist der tägliche Bedarf an zusätzlicher Flüssigkeit noch nicht eingerechnet.
Hinzu kommt, dass die Katze nicht nur für Katzen untypisch viel trinken müsste, sondern auch direkt vor, während oder direkt nach dem Verzehr von Trockenfutter, da sie ansonsten ständig dehydriert ist. Denn das Trockenfutter entzieht dem Körper sofort Flüssigkeit, was bedeutet, bis die Katze das nächste Mal trinkt, ist das Flüssigkeitsdefizit vorhanden.

Die andere Hälfte des Supermarktfutters ist zwar nass, darf aber auf Grund der Zusammensetzung dennoch getrost in den Müll wandern.
„Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (mind. 4% Huhn), Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Inulin…“, so oder ähnlich sehen die Zusammensetzungen dieser Futtersorten aus.
Das bedeutet zwei Dinge:
1. Sie kaufen eine Wundertüte. Sie haben keine Ahnung, wie viel tierische Erzeugnisse tatsächlich im Futter vorhanden sind, nur, dass mindestens 4% von ihnen vom Huhn stammen. Der Rest könnte Schwein oder Rind oder auch gar kein weiteres Fleisch sein. Gerade für Allergikerkatzen schwierig. Außerdem wissen Sie nicht, wie viel von den tierischen Erzeugnissen tatsächlich Fleisch ist. Zu tierischen Nebenerzeugnissen gehören auch Lunge, Hirn, Hufe, Krallen oder Ähnliches sein. Nicht nur eklig, auch nicht besonders nahrhaft für die Katze.
2. Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse und Inulin (Zucker) kann Ihre Katze nicht verwerten und sind dazu in höchstem Maße ungesund. Es ist einfach ein billiges Füllmittel für die Futtermittelindustrie, hat aber nichts im Verdauungstrakt der Katze, die, wie wir uns erinnern, ein strikter Fleischfresser ist, zu suchen.

Fazit: Futter aus dem Supermarkt ist für die Katze nicht zu gebrauchen. In Zoofachhandeln oder im Internet findet sich deutlich besseres Futter. Kriterien für ein gutes Futter sind folgende:
1. Mindestens 70% Fleisch
2. Hoher Feuchtigkeitsgehalt
3. Genaue Deklaration (wie viel Muskelfleisch ist enthalten, wie viele und vor allem welche Nebenerzeugnisse?)
4. Kein Getreide
5. Kein Zucker
6. Keine pflanzlichen Nebenprodukte

Optimal für die Katze ist es natürlich, das Futter direkt selbst herzustellen (Stichwort: B.A.R.F.), das sollten Sie jedoch nur tun, wenn Sie auch bereit sind, sich in das Thema einzulesen und wirklich damit zu beschäftigen, sonst richten Sie mehr Schaden als Nutzen an.

Hunde

Schnuppe

Hunde sind von Natur aus überwiegende Carnivoren, also Tiere, die sich vorwiegend von Fleisch ernähren.
Das bedeutet, sie sind nicht so strikt an Fleisch gebunden wie Katzen und können bis zu einem gewissen Grad pflanzliche Kost verwerten. Dennoch sind auch sie auf Fleisch angewiesen und sollten daher Futter erhalten, in dem in jedem Fall überwiegend Fleisch enthalten ist und nur wenig pflanzliche Kost.
Auch sollte darauf geachtet werden, welche pflanzlichen Bestandteile enthalten sind. Pflanzenfasern, Getreide und Gras sind nicht nahrhaft und erneut einfach billiger Füllstoff.
Obst, Gemüse und Kräuter sind die pflanzlichen Bestandteile der Wahl.
Auch für den Hund suchen Sie gute Futtersorten im Supermarkt vergebens. Die ungenaue Deklaration und der geringe Fleischanteil disqualifizieren das Futter für den gesunden Hund.
Die Fütterung von Trockenfutter ist an sich nicht so problematisch wie bei der Katze, da Hunde natürlicherweise mehr trinken als Katzen.
Trotzdem sollte Trockenfutter nicht das einzige Nahrungsmittel für den Hund sein, da zum Einen Fleisch besser in Nassfutter verarbeitet werden kann und zum Zweiten Trockenfutter ja nun leider nicht nur keine Feuchtigkeit gibt, sondern sie auch noch entzieht und das ist auch für Hunde als Dauerzustand nicht optimal.

Ein gutes Futter für den Hund setzt sich also aus folgenden Kriterien zusammen:
1. Mindestens 60% Fleisch
2. Kein Zucker
3. Wenig bis kein Getreide
4. Genaue Deklaration sowohl für Fleisch als auch für die pflanzlichen Bestandteile

Für das selbst Gestalten der Ernährung gilt beim Hund das Gleiche wie bei der Katze.

Pferde

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Pferde sind eigentlich Steppentiere. In der Steppe wächst sehr karges, trockenes Gras und ein paar Kräuter. Außerdem sind Pferde Herbivore, also Pflanzenfresser.
Das optimale Futter für’s Pferd besteht also aus trockenem Gras und wenigen Kräutern. Das bedeutet im Umkehrschluss, weder die üppigen Weiden, die hier in Deutschland den Pferden zur Verfügung stehen, noch die ganzen Müslis, Öle und Ergänzungsfutter stehen auf dem natürlichen Speiseplan des Pferdes.
Heu satt ist prinzipiell alles, was ein gesundes Pferd braucht, dazu bei gut im Training stehenden Pferden ein kleiner Becher voll Hafer. Natürlich können wir deshalb nicht unseren Pferden den Weidegang verbieten und selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen Kuren aus Ölen oder Mineralfuttern sinnvoll sind.
Doch Müslis, Malzbier, Bierhefe, Grünlippmuschelpulver oder Ähnliches haben im Pferdemagen wirklich nichts zu suchen.
Zu viel Öl können Pferde wegen ihrer fehlenden Gallenblase gar nicht verstoffwechseln. Malzbier und Bierhefe gären im Pferdemagen weiter, was gerade bei Wesen mit so großen Mägen wie Pferde empfindliche Störungen auslösen kann. Und Grünlippmuschelpulver… nun, wie oben angesprochen, Pferde sind Pflanzenfresser. Muscheln sind? Genau, Fleisch. Da gilt das Gleiche wie bei der Katze, nur andersherum.

Letzten Endes gilt für alle Tiere ein einzelner Leitspruch: was essen die Tiere in der Wildnis? Und je näher die Ernährung Ihres Tieres da dran ist, umso besser für seine Gesundheit. Kompromisse wird es immer geben, die optimal artgerechte Tierhaltung ist einfach nicht zu realisieren und viele Zusätze machen kurweise bei kranken Tieren oder Tieren in besonderen Lebenssituationen auch Sinn.
Aber wir können versuchen, die Kompromisse so gering wie möglich zu halten.

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