Was heißt eigentlich „ganzheitlich“?

Freitag, 08.April 2016 um 8:00 Uhr, bisher keine Kommentare

Warum will ich „ganzheitlich“ arbeiten? Und was genau heißt das überhaupt? Da hat wohl jeder, der „ganzheitlich“ arbeitet, eine andere Definition von.

Ganzheitlich heißt für mich, nicht nur der Diagnose des Tierarztes nachzugehen, sondern auch nach tiefergehenden Ursachen zu forschen.
Als Beispiel ein mir bekanntes Pony, das sehr häufig beim Reiten stolpert.
Bei dem Wallach wurde einmal eine Hufrollengelenksentzündung diagnostiziert, als die Stolperei anfing. Die Entzündung wurde behandelt, doch das Stolpern blieb.
Auch mit neuen Beschlägen, die die Hufrolle unterstützen sollten, wurde das Stolpern nur zeitweise besser und dann wieder schlechter, was die Besitzerin verständlicherweise ziemlich verunsicherte.
Auf Nachfrage, ob die Halswirbelsäule auch mal geröngt wurde, kam dann heraus, dass das Pony auch einen Befund im 6. Halswirbel hat. Dem wurde aber nicht weiter nachgegangen, weil ja zeitgleich die Hufrollengelenksentzündung entdeckt wurde und der Tierarzt deshalb der Meinung war, das Stolpern käme daher.
Nun, diese Vermutung ist sicherlich nicht falsch, die Entzündung wird das Stolpern verstärkt haben.
Aber auch der Befund im 6. Halswirbel ist eine Ursache für das Stolpern und gleichzeitig der Grund, weshalb es nicht aufhörte, obwohl die Hufrolle behandelt worden war.
Eine knöcherne Zubildung in der Halswirbelsäule (bevorzugt am 05. und 06. Halswirbel) versteift die Bewegungen in den Vordergliedmaßen, das Pferd wird vorne kurztrittig und stolpern.
Diese Pferde latschen auch oft und gern mehr auf der Vorderhand und heben die Beine nicht richtig an, alles Symptome, die auch das fragliche Pony zeigte.
Nachdem das jetzt bekannt ist, kann das Pony reiterlich so trainiert werden, dass es diese Steifheit mit der Muskulatur ausgleichen kann. So kann der Fortschritt dieser Erkrankung zwar nicht aufgehalten, aber doch merklich verlangsamt werden.

Njall

Ganzheitlich arbeiten bedeutet für mich also vor Allem, nicht mit der Ursachenforschung aufzuhören, nur weil ich eine mögliche Ursache gefunden habe, sondern weiterzuschauen, bis ich mir sicher bin, dass ich weitere Ursachen ausgeschlossen habe.
Viele Symptome können verschiedene Ursachen haben und oft treten mehrere Ursachen zeitgleich auf.
Wenn dann davon nur eine behandelt wird, kann natürlich nicht der erhoffte Erfolg eintreten, weil einfach noch andere Ursachen für die gleichen Symptome bestehen.

Außerdem verstehe ich unter ganzheitlichem Arbeiten auch die Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten, zum Beispiel dem Tierarzt, dem Hufschmied etc.
Wenn die eine Hand nicht weiß, was die andere tut, kommen sie sich gegenseitig nur in die Quere.

Wichtig ist für mich auch, alle Möglichkeiten der Besserung auszuloten, bevor ich einem Tier „nur“ erleichtere, mit seiner Situation zu leben.
Damit jedes Tier seine Möglichkeiten vollständig nutzen kann.

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