Warum eigentlich Tierphysiotherapie?

Freitag, 25.März 2016 um 8:00 Uhr, bisher keine Kommentare

Wenn ich Menschen – egal, ob Tierhalter oder nicht – erzähle, dass ich eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin mache, werde ich nicht selten gefragt: „Wieso denn das?“ oder: „Tiere sind immer gut ohne Physiotherapie klargekommen.“ oder auch: „Der TA reicht doch, wozu brauchen Tiere jetzt auch noch Physiotherapie, ist das nicht nur Geldmacherei?“
Häufig kommt dann auch der Vergleich mit dem netten Ostfriesen aus dem Fernsehen, der sich mit seiner „Therapie“ ein goldenes Näschen verdient. Abgesehen davon, dass kein Tierphysiotherapeut, den ich kenne, etwas für seine Therapieformen übrig hat, gibt es natürlich immer auch Leute, die ein Wochenendseminar machen und sich Tierphysiotherapeut nennen, nur um Geld damit zu machen.
Das bedeutet aber nicht, dass deshalb die Tierphysiotherapie an sich sinnlos oder Geldmacherei ist.

Wieso denn das?

Diese Frage ist recht leicht zu beantworten. Ich weiß, was die Physiotherapie bei Menschen für Erfolge bringt, ich bekomme es aus nächster Nähe mit, da ich in einer Humanphysiotherapiepraxis an der Rezeption arbeite. Und ich liebe Tiere.
Was liegt da näher, als den Entschluss zu fassen, die Therapie, von der ich überzeugt bin, an den Wesen, die ich liebe, anzuwenden?
Meine Patentante hat zusätzlich zur Humanphysiotherapie auch die Ausbildung zur Tierphysiotherapie gemacht, daher wusste ich, dass es diese Möglichkeit gibt.
Und die Ausbildung zeigt mir Tag für Tag, dass ich den richtigen Entschluss getroffen habe, denn im Gegensatz zum Germanistik- und Erziehungswissenschaftsstudium, welches ich vorher angefangen hatte, bereitet mir diese Ausbildung jedes Mal aufs Neue Freude.

Tiere sind immer gut ohne Physiotherapie klargekommen.

Das ist völlig richtig. Ebenso, wie Menschen, bevor es die Humanphysiotherapie gab, mehr oder weniger gut ohne sie klargekommen sind, ist das auch bei Tieren natürlich der Fall.
Dennoch haben die Menschen die Erfahrung gemacht, dass die Physiotherapie eine sehr hilfreiche Unterstützung für die Gesundheit ist und aus der Humanmedizin ist die Physiotherapie heute kaum noch wegzudenken.
Warum also sollte das bei den Tieren anders sein? Zum Einen ist es auch bei wild lebenden Tieren durchaus so, dass sie sich Verletzungen zuziehen können, bei denen der Tierarzt und der Tierphysiotherapeut helfen könnten. Zum Anderen ist dies gerade bei unseren Haustieren noch einmal ausgeprägter. Durch die nicht ganz artgerechte Haltung ebenso wie zum Teil die Überzüchtung haben unsere Haustiere Krankheiten und Leiden entwickelt, die denen der Menschen ähneln. Als allgemein bekannte Beispiele seien hier nur kurz die Hüftdysplasie (HD) beim Schäferhund und die Patellaluxation beim Jack-Russel genannt.
Bei solchen Problemen hilft die Physiotherapie den Tieren ebenso gut wie den Menschen.

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Der Tierarzt reicht doch, wozu noch Tierphysiotherapie?

Natürlich kann man Beispielsweise eine Arthrose auch mit Schmerzmitteln einstellen und so damit dem Tier noch recht lange ein schmerzfreies Leben ermöglichen.
Auch atrophierte Muskulatur kann man mit diversen Spritzen und Mitteln anregen, so dass sie sich wieder aufbaut.
Aber abgesehen davon, dass nicht jeder Halter so viele Medikamente in seinem Tier haben möchte, ist es doch auch einfach schön, wenn man erreichen kann, dass das Tier gar keine Schmerzmittel braucht, um ein schmerzfreies Leben zu führen.
Außerdem können Medikamente zwar Schmerzen nehmen und Muskeln aufpumpen, aber die Beweglichkeit eines Tieres lässt sich nur durch eines erhalten und erweitern: durch richtige, physiologische Bewegung.
Und genau, um das zu erreichen, gibt es die Tierphysiotherapie.
Sie soll weder den Tierarzt ersetzen noch die Medizin, aber sie kann eine gute Ergänzung zu beidem darstellen und manchmal sogar die Menge der Medizin reduzieren, die das Tier braucht.
Ich wünsche mir sehr, dass eines Tages auch der Beruf des Tierphysiotherapeuten staatlich anerkannt wird und auch für Tiere die Hilfe durch Physiotherapie so vielgenutzt und selbstverständlich wird, wie sie es für Menschen schon lange ist.

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